Prinzipien der Montessori-Pädagogik



Freie Arbeit

"In den kindgemäßen Umgebungen unserer Kinderhäuser haben die Kleinen ihr inneres Bedürfnis mit dem bezeichnenden Satz ausgedrückt: Hilf mir, es selbst zu tun." (MONTESSORI: Kinder sind anders, S. 200)

"Es ist nicht unsere Aufgabe, dem Kind schnelles und zielbewusstes Arbeiten beizubringen. […] Ein Kind, das sich in der richtigen Umgebung ungestört entwickelt, kommt von ganz von selbst zu seiner Zeit dazu, zielbewußt zu arbeiten." (OSWALD: Grundgedanken der Montessori-Pädagogik, S. 32)

"Die Arbeit ist eine Aktivität, die weder mit der Belehrung noch mit dem Wunsch des Erwachsenen zusammenhängt. Die Arbeit eint das kindliche Wesen mit der Umgebung. Aber diese Arbeit zeigt sich nur bei den Kindern, die in einer Umgebung leben, die ihnen angepasst ist. Die erzwungene Arbeit schadet dem Kind, weil durch sie der erste Arbeitswiderwille entsteht. In der gewöhnlichen Schule finden wir Kinder, die durch Lernen und Studieren ermüden, und darum versuchen sie, so wenig wie möglich zu arbeiten. […] Unsere Kinder arbeiten freiwillig voll Freude und voll tiefem Interesse. Sie werden nicht müde von der Arbeit, sondern glücklich." (MONTESSORI: Grundgedanken meiner Pädagogik, S. 15)

Die vorbereitete Umgebung

"Wir bereiten eine Umgebung vor, die reich an interessanten Aktivitätsmomenten ist. Wir eröffnen einen Arbeitsweg, der höhere Dinge aufweist als die, von denen man bis jetzt annahm, sie seien für dieses Alter genügend. Das Kind weiß nicht, wie es sich diese Umgebung schaffen soll. Nur der Erwachsene kann es tun, und das ist die einzige tatsächliche Hilfe, die man dem Kind geben kann." (OSWALD: Grundgedanken der Montessori-Pädagogik, S. 93.)

Die Materialien sind keine "Lehrmittel", sondern "Entwicklungsmaterial". (MONTESSORI: Die Entdeckung des Kindes, S. 166)

"Die Vorbereitung der Umgebung und die Vorbereitung des Lehrers sind das praktische Fundament unserer Erziehung." (OSWALD: Grundgedanken der Montessori-Pädagogik, S. 94.)

Die Polarisation der Aufmerksamkeit

"Als ich meine ersten Versuche mit der Anwendung der Grundsätze und eines Teils des Materials […] machte, fiel mir ein kleines Mädchen von etwa drei Jahren auf, das tief versunken war in eine Übung mit den kleinen Holzzylindern, die es aus den Vertiefungen des Holzblocks herausnahm und dann wieder an ihren richtigen Platz brachte. […] Ich beobachtete die Kleine mit Spannung, ohne sie zu stören, und begann zu zählen, wie oft sie die Übung wiederholte […]. Ich zählte 44 Wiederholungen; und als sie endlich aufhörte, tat sie das ganz unabhängig von den Ablenkungen um sie her, die sie hätten stören können und blickte glücklich umher, als ob sie von erquickendem Schlaf erwacht wäre." (MONTESSORI: Grundgedanken der Montessori-Pädagogik, S. 17, 18)

"Die psychische Entwicklung organisiert sich mit Hilfe von äußeren Anreizen, die auf experimentellem Wege bestimmt werden müssen." (MONTESSORI: Grundgedanken der Montessori-Pädagogik, S. 18, 19)

"Das ist offenbar der Schlüssel der ganzen Pädagogik: diese kostbaren Augenblicke der Konzentration zu erkennen […]." (MONTESSORI: Grundgedanken der Montessori-Pädagogik, S. 23)

Die sensiblen Perioden

"Es handelt sich um besondere Empfänglichkeiten, die in der Entwicklung, d. h. im Kindesalter der Lebewesen, auftreten. Sie sind von vorübergehender Dauer und dienen nur dazu, dem Wesen die Erwerbung einer bestimmten Fähigkeit zu ermöglichen. Sobald dies geschehen ist, klingt die betreffende Empfänglichkeit wieder ab." (MONTESSORI: Grundgedanken der Montessori-Pädagogik, S. 70)


"Die innere Empfänglichkeit bestimmt, was aus der Vielfalt der Umwelt jeweils aufgenommen werden soll, und welche Situationen für das augenblickliche Entwicklungsstadium die vorteilhaftesten sind. Sie ist es, die bewirkt, daß das Kind auf gewisse Dinge achtet und auf andere nicht." (MONTESSORI: Kinder sind anders, S. 51)

Die Erwachsenen geben den sensiblen Perioden viel zu wenig Raum. "Die Folge hiervon sind vor allem tote Seelen, aber auch verkrüppelte, blinde, schwache, in der Entwicklung gehemmte Seelen in großer Zahl, und obendrein Hochmut, Machtgier, Geiz, Jähzorn, Wirrköpfigkeit, alles Charakterzüge, die sich dann entwickeln, wenn die seelischen Funktionen durcheinandergeraten sind." (MONTESSORI: Kinder sind anders, S. 57)


Das Material

"Die Hände sind das Werkzeug Menschlicher Intelligenz" Maria Montessori


Die Arbeitsmittel müssen stehts ordentlich und vollständig sein. Die Menge der Arbeitsmittel muss einerseits so begrentzt sein, dass sie den Kindern Ordnung und Orientierung bieten, andererseits muss sie so vielfältig sein, dass die unterschiedlichen Kinder einer Klasse reichhaltige Arbeitsmöglichkeiten finden. (STEIN: Theorie und Praxis der Montessori-Grundschule. S. 59)

Damit die Arbeitsmittel als "Entwicklungsmaterial" ihre Aufgabe erfüllen können, müssen sie bestimmte Eigenschaften aufweisen.
Das Material muss:
- dem kindlichen Verständnisgrad angepasst sein,
- den Forschungstrieb befriedigen,
- die Vorstellungskraft des Kindes entwickeln,
- über das Studium des Details eine Vision des Ganzen vermitteln,
- grundlegendes Interesse für viele Wissenschaftsbereiche wecken,
- zu geistiger Disziplin und zu geordneten Kenntnissen führen,
- eine selbständige Fehlerkontrolle ermöglichen.
(STEIN: Theorie und Praxis der Montessori-Grundschule. S.77)



Die Freiheit des Kindes

"Fast immer wird dem kleinen und noch mehr dem älteren Kind seine Beschäftigung vorgeschrieben. Wir lassen in all diesen Dingen dem Kind ganz freie Wahl, denn wir haben erkannt, daß auch in der Wahl der Beschäftigung das Kind von starken inneren Motiven geleitet wird. Das Kind, das seine Beschäftigung alleine wählt, kann damit ein inneres Bedürfnis äußern und befriedigen. Allein das Kind weiß, was seiner Entwicklung nottut, und eine aufgedrängte Beschäftigung stört seine Entwicklung und sein Gleichgewicht." (MONTESSORI: Grundgedanken meiner Pädagogik, S. 16, 17)

"Die Lehrerin treibt nicht etwa das faule Kind zur Arbeit an, es genügt, daß sie nur den Kontakt mit Mitteln zur Aktivität erleichtert, die sich in der für das Kind vorbereiteten Umgebung befinden." (MONTESSORI: Das kreative Kind, S. 180, 181)

"Die Freiheit wird auf primitive Weise als das unmittelbare Erlangen einer Unabhängigkeit von repressiven Bindungen verstanden: als eine Aufhebung der Korrektur und der Unterordnung unter den Willen des Erwachsenen. […] Daraus ergeben sich ungeordnete Kinder, denn die Ordnung war ihnen von der Willkür der Erwachsenen aufgezwungen; faule Kinder, denn die Arbeit war ihnen von den Erwachsenen aufgezwungen; ungehorsame Kinder, denn der Gehorsam war erzwungene Notwendigkeit." (MONTESSORI: Das kreative Kind, S. 180-185)

"Die Freiheit unserer Kinder hat als Grenze die Gemeinschaft, denn Freiheit bedeutet nicht, dass man tut, was man will, sondern Meister seiner selbst zu sein." (MONTESSORI: Grundgedanken meiner Pädagogik, S. 26)

"Die Freiheit ist dann erlangt, wenn das Kind sich seinen inneren Gesetzen nach, den Bedürfnissen seiner Entwicklung entsprechend, entfalten kann. Das Kind ist frei, wenn es von der erdrückenden Energie des Erwachsenen unabhängig geworden ist." (MONTESSORI: Grundgedanken meiner Pädagogik, S. 26)

"Alle können einer schwachen und unterlegenen Person befehlen und sie unterdrücken, aber niemand kann eine andere Person entwickeln. Die Entwicklung kann nicht gelehrt werden." (MONTESSORI: Das kreative Kind, S. 184, 185)

"Nur die normalisierten, von der Umgebung unterstützten Kinder, offenbaren in ihrer sukzessiven Entwicklung die wunderbaren Fähigkeiten, die wir beschrieben: die spontane Disziplin, die ständige, freudige Arbeit, die sozialen Gefühle der Hilfe und des Verständnisses für die anderen." (MONTESSORI: Das kreative Kind, S. 184, 185)

"Ich bin der Meinung, daß es schwierig sein wird, die Freiheit in sozialen Gruppen zu errichten, wenn die Kinder gezwungen werden, die Jahre ihrer Bildung in einer Situation von konstanter Unterwerfung zu verbringen […]." (MONTESSORI: Die Freiheit muß aufgebaut werden)

1. Freiheitsprinzip: Loslösung: "Die Zähne geben ihm [dem Kind] die Möglichkeit, sich unabhängig von der Mutter ernähren zu können, das Laufen bedeutet, ohne Hilfe des Erwachsenen sich fortbewegen zu können, und das Sprechen ist der Anfang, sich mitteilen zu können und nicht mehr von der Auslegung seiner Wünsche durch den Erwachsenen abhängig zu sein." (OSWALD: Der Freiheitsbegriff bei Maria Montessori)

2. Freiheitsprinzip: Umwelt: "Weil die Umgebung Teil des Lebens ist und es Leben ohne Umgebung nicht gibt." (OSWALD: Der Freiheitsbegriff bei Maria Montessori)

"Wer heute von Freiheit in der Schule spricht, der muß Kindern eine die Freiheit ermöglichende Umgebung vorbereiten und anbieten." (OSWALD: Der Freiheitsbegriff bei Maria Montessori)

3. Freiheitsprinzip: Gemeinschaft: "Weil der Mensch also ganz und gar ein soziales Wesen ist, darum kann es auch Freiheit nur als soziale Größe geben, ja sie kann immer nur zugleich und zusammen mit dem Mitmenschsein des Mitmenschen verwirklicht werden. Darum nennt Montessori zu Recht die Freiheit die notwendige Grundlage der organisierten Gesellschaft." (OSWALD: Der Freiheitsbegriff bei Maria Montessori)

Integration

"Der Weg den die Schwachen gehen, um sich zu stärken, ist der gleiche, den den Starken gehen, um sich zu vervollkommen."

Maria Montessori